Dialog mit Dr. Roy Kühne

Am 02.05. fand in den Räumen der Wirtschaftsakademie für den Mittelstand Mellendorf eine Sitzung der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrates Niedersachsen statt. Thema der Veranstaltung:

„Einfluss neuer Regeln, Urteile und Gesetze auf die Versorgung der Bevölkerung durch Apotheken“ mit Dr. Roy Kühne, Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB) und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages.

Diskutiert wurde zuerst die Versorgung der ländlichen Bevölkerung im Flächenstaat Niedersachsen mit Medikamenten. Dabei wurde herausgestellt, dass die Situation der Apotheken eng mit der Arztsituation gekoppelt ist, da etwa fünf Ärzte die Minimalverordnungen von Rezepten für die Wirtschaftlichkeit einer Apotheke darstellen.

Dr. Roy Kühne (MdB) erläuterte, dass es für die Politik schwierig ist, Landärzte zu rekrutieren. Landärzte haben u.a. ein höheres Arbeitspensum, was zunehmend von Ärzten abgelehnt wird. Anreizsysteme über eine finanzielle Besserstellung der Landärzte sind in der Vergangenheit erfolglos geblieben. Da Ärzte meistens mit Akademikern verheiratet sind, fehlt in Kleinstädten und auf dem Land oft der passende Arbeitsplatz für den Ehepartner.

Eine Möglichkeit, die Arztposition in ländlicher oder kleinstädtischer Struktur zu verbessern bestünde in der Ausweitung der therapeutischen Möglichkeiten in diesen Praxen, z.B. durch Kleinoperationen und besserer Versorgung mit Diagnosegeräten um Überweisungen zu reduzieren. In Baden-Württemberg wird mit Onlinesprechstunden experimentiert.

Das Problem fehlender Ärzte in der außerstädtischen Struktur überträgt sich auf die Apotheken. Für diese fehlt dann irgendwann die notwendige Menge an Rezepten.

Als mögliche Versorgungseinrichtungen werden ländliche MVZ diskutiert.

Der Diskussionspunkt Krankenhausapotheken als Konkurrenz zu niedergelassenen Apotheken zu zuzulassen wurde von politischer Seite abgelehnt. Das Krankenhaus ist nicht als Konkurrenz zu allen anderen Dienstleistern im Gesundheitswesen vorgesehen.

Auch die Medikamentenversorgung der ländlichen Bevölkerung durch soziale Versorgungseinrichtungen ist nicht möglich. Dagegen spricht die Apothekenbetriebsordnung und die Arzneimittelsicherheit.

Zukünftige optimierte Strukturen in der Patientenversorgung werden durch die fehlende Patientenkarte erheblich eingeschränkt.

In den letzten Jahren haben 7.5% der Apotheken geschlossen. Viele Apotheken sind darüber hinaus defizitär. Der Trend der Apothekenschließungen besteht also weiter. Vielen Apothekern fehlt daher und wegen der Unverkäuflichkeit ihrer Apotheken ein Teil ihrer Altersversorgung. Ältere Apotheker finden keine Anstellung mehr.

Versandapotheken aus Deutschland versorgen schon heute sehr viele Patienten mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, ohne dass die Patienten dafür Preisnachlässe oder Rabatte bekommen. Es besteht also offensichtlich ein Bedarf evtl. aus Bequemlichkeit.

Die bei den Krankenkassen abgerechnete Apothekenleistung belastet die Krankenkassenbeiträge mit weniger als ein Promille, daher ist das Einsparpotenzial bei Veränderungen des derzeitigen Systems minimal.

Alle Beteiligten im Gesundheitssystem werden mit einem unzumutbaren Wust an Regelungen und Vorschriften überzogen. Die Verwaltungsarbeit belastet massiv die Zeit, die kranken Menschen zur Verfügung gestellt werden kann. Hier ist dringend eine Deregulierung erforderlich. Derzeit sorgt die Bürokratie in ihrem Regelungswahn für eine deutliche Verschlechterung der Gesundheitsleistungen.

Die ersten Gedanken zu einer Empfehlung an die Politik zu einer zufriedenstellenden Versorgung mit Arzneimitteln und der Gesundheitsversorgung auf dem Lande soll in einer zweiten Runde fortgesetzt werden. Herr Müller (doc morris) hat dazu ein Thesenpapier vorgelegt.